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Wissen · Ratgeber

Werbung in ChatGPT und Copilot: was jetzt geht.

Seit Ende August 2026 können Unternehmen in Deutschland Anzeigen in ChatGPT buchen. Was das genau heißt, wer sie sieht, was sie kosten, welche Branchen draußen bleiben und wie es bei Copilot, Google, Gemini und Perplexity aussieht. Mit Quellen und einem Plan für den ersten Test.

Artur Essig

Artur Essig, Inhaber ARES Online Marketing, seit rund 20 Jahren im Online-Marketing
Stand: 6. Oktober 2026 · Lesezeit etwa 9 Minuten

Kurz gesagt

Ja, Werbung in ChatGPT ist in Deutschland buchbar: seit dem 31. August 2026 selbst im Ads Manager von OpenAI. Die Anzeigen erscheinen unter der Antwort, nur für Nutzer der kostenlosen Version und des Go-Tarifs, gesteuert über das Gesprächsthema statt über Keywords. Recht, Gesundheit und Finanzen sind außerhalb der USA ausgeschlossen. In Microsoft Copilot laufen Anzeigen aus normalen Microsoft-Advertising-Kampagnen. Google zeigt in Deutschland Anzeigen über und unter den KI-Übersichten, aber noch nicht darin.

Kann man in Deutschland in ChatGPT werben?

Ja. OpenAI hat Anzeigen in ChatGPT im Februar 2026 in den USA gestartet. Seit dem 24. August 2026 laufen sie in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zuerst ging das nur über das Vertriebsteam von OpenAI und große Agenturnetzwerke.

Seit dem 31. August 2026 können Unternehmen in diesen Märkten selbst ein Konto im Ads Manager unter ads.openai.com anlegen und Kampagnen buchen, ohne Agentur und ohne die anfangs hohen Mindestsummen. Laut Digiday lief das Werbegeschäft von OpenAI zu diesem Zeitpunkt, sechs Monate nach dem Start, bereits auf einen Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar hinaus.

Wichtig für ältere Artikel

Viele Texte aus dem Frühjahr 2026 sagen noch, ChatGPT-Werbung sei in Deutschland nicht verfügbar. Das ist überholt.

Quellen: Digiday, 31.08.2026; Search Engine Roundtable zur Europa-Erweiterung, 08/2026

Wie sehen Anzeigen in ChatGPT aus, und wer sieht sie?

Es gibt derzeit eine Anzeigenform: eine Karte unter der Antwort, klar als Anzeige gekennzeichnet. Sie besteht aus einem Titel mit höchstens 50 Zeichen, einem Text mit höchstens 100 Zeichen, einem Bild, dem Favicon und der Zieladresse. Pro Antwort erscheint nach bisherigen Beobachtungen höchstens eine Anzeige.

Die Antwort selbst bleibt nach Angaben von OpenAI unbeeinflusst. Wer bezahlt, kauft also einen Platz neben der Antwort, nicht eine Empfehlung in der Antwort.

Wer die Anzeigen sieht

  • Nutzer der kostenlosen Version und des günstigen Go-Tarifs.
  • Keine Anzeigen sehen Nutzer von Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu.
  • Keine Anzeigen für Minderjährige.

Für Sie heißt das: Viele Berufstätige, die ChatGPT im Firmenabo nutzen, erreichen Sie über Anzeigen nicht. Für reine B2B-Angebote an Entscheider ist das eine echte Grenze.

Quellen: Digital M., Stand 05.10.2026, mit Verweis auf die Dokumentation von OpenAI; haimle.com, 14.09.2026

Wie wird gesteuert, wenn es keine Keywords gibt?

Das ist der größte Unterschied zu Google Ads. In ChatGPT bucht man keine Suchbegriffe. Die Ausspielung richtet sich nach dem Zusammenhang des Gesprächs, nach der Anzeige selbst, nach Ihrer Zielseite, nach grobem Standort und Sprache. Statt Keywords beschreiben Sie Situationen, in denen Ihre Anzeige passt.

In der EU, im EWR und in der Schweiz gibt es zum Start keine personalisierte Werbung: keine eigenen Zielgruppen, keine Lookalikes, kein Remarketing. Es fehlen auch ausgeschlossene Begriffe und ein Bericht darüber, bei welchen Fragen Ihre Anzeige erschien.

Was technisch vorbereitet sein muss

  • Ihre Zielseiten müssen für die Prüf-Crawler von OpenAI erreichbar sein (OAI-AdsBot und OAI-SearchBot in der robots.txt und in der Firewall erlaubt). Sonst wird die Anzeige nicht ausgeliefert.
  • Klicks lassen sich über UTM-Parameter in Ihrer Webanalyse auswerten.
  • Für Conversions bietet OpenAI ein Pixel und eine Schnittstelle. Wie das mit Ihrem Cookie-Banner zusammenspielt, sollte vor dem Start geklärt sein.
Quellen: haimle.com, Erfahrungsbericht aus einem deutschen Konto, 14.09.2026; Digital M., 05.10.2026

Was kostet Werbung in ChatGPT?

Feste Preise veröffentlicht OpenAI nicht. Der Preis entsteht wie bei anderen Plattformen über Gebote. Abgerechnet wird nach Einblendungen oder nach Klicks, bei Kampagnen mit Ziel Conversion auch optimiert auf Abschlüsse. Die Angaben in Fachquellen unterscheiden sich im Detail.

Budgetregeln für ChatGPT-Anzeigen in Deutschland, laut Praxisbericht vom 14.09.2026
RegelWert
Mindestbudget pro Tag15 Euro
Mindestbudget pro Kampagne65 Euro
Tagesbudget als ObergrenzeNein. An einzelnen Tagen bis zum Doppelten, über sieben Tage bis zum Siebenfachen des Tagesbudgets

Öffentlich dokumentierte Ergebnisse gibt es kaum. Eine Schweizer Agentur hat ihren eigenen Test offengelegt (5. September bis 4. Oktober 2026): rund 990 Franken Kosten, 336 Klicks, eine Klickrate von 0,60 Prozent, im Schnitt 2,95 Franken pro Klick und eine Anfrage. Der Klickpreis stieg im Testmonat von 1,43 auf 4,14 Franken. Das ist ein Einzelfall aus einer Branche und kein Richtwert. Er zeigt aber, dass Klickpreise schwanken und dass man Anfragen messen muss, nicht Klicks.

Quellen: haimle.com, 14.09.2026; Digital M., Testbericht, aktualisiert 05.10.2026

Welche Branchen sind ausgeschlossen?

Für viele Mittelständler ist das der entscheidende Punkt. Nach den Werberichtlinien von OpenAI (Fassung vom 31. August 2026) gilt außerhalb der USA:

  • Rechtsdienstleistungen: derzeit nicht zugelassen. Das betrifft Kanzleien und Rechtsportale.
  • Gesundheitsleistungen: grundsätzlich nicht zugelassen. Das betrifft Praxen, Kliniken und Gesundheitsangebote.
  • Finanzdienstleistungen: grundsätzlich nicht zugelassen. Das betrifft Banken, Versicherungen, Kredite und Geldanlage.

Seit April 2026 dürfen Anzeigen aus erlaubten Branchen zwar auch neben Gesprächen über Recht, Medizin oder Geld erscheinen. Werben dürfen Anbieter aus diesen Bereichen in Europa trotzdem nicht. Im Mittelpunkt standen zum Start Handel, lokale Dienstleistungen, Reisen, Bildung und digitale Produkte.

Was ausgeschlossene Branchen tun können

Google Ads und Microsoft Advertising nutzen, wo eigene Branchenregeln gelten, und mit GEO dafür sorgen, dass ChatGPT Sie in seinen Antworten von sich aus nennt.

Quellen: Digital M. mit Verweis auf die OpenAI-Richtlinien v1.5, 31.08.2026; conversion-traffic.de zur Richtlinienänderung, 2026

Wie funktioniert Werbung in Microsoft Copilot?

Bei Microsoft ist Copilot kein eigener Kampagnentyp, sondern ein Ausspielungsort. Anzeigen aus bestehenden Such-, Shopping-, Performance-Max- und AI-Max-Kampagnen in Microsoft Advertising können in den Antworten von Copilot erscheinen, gekennzeichnet und passend zur Frage. Nach Angaben von Microsoft ist das in englisch-, französisch- und deutschsprachigen Märkten ausgerollt.

Neuere Formate gibt es in Deutschland noch nicht oder nur eingeschränkt:

  • Showroom Ads, eine Art digitaler Verkaufsraum im Chat: Pilot mit ausgewählten Werbetreibenden.
  • Offer Highlights, die Vorteile wie kostenlosen Versand im Gespräch hervorheben: zuerst für Händler in englischsprachigen Märkten.

Praktisch bedeutet das: Wer Copilot erreichen will, braucht ein gut geführtes Microsoft-Advertising-Konto mit starken Anzeigentexten, Bildern und, im Handel, sauberen Produktdaten. Einen eigenen Regler nur für Copilot gibt es nicht.

Quellen: Microsoft Advertising Blog, April 2026; Grünberg Digital, 09/2026; Search Engine Land zu Showroom Ads

Was ist mit Google, Gemini und Perplexity?

Google KI-Übersichten (AI Overviews)

Die KI-Übersichten erscheinen in Deutschland seit März 2025. Normale Suchanzeigen stehen hier über und unter der Übersicht, mit bestehenden Such-, Shopping- und Performance-Max-Kampagnen. Innerhalb der Übersicht zeigt Google Anzeigen laut eigener Hilfe nur auf Englisch in zwölf Ländern, darunter die USA, Kanada, Australien und Indien. Sensible Bereiche wie Finanzen und Gesundheit sind dort ausgeschlossen.

Google KI-Modus (AI Mode)

Auf Google Marketing Live am 20. Mai 2026 hat Google neue Anzeigenformate für den KI-Modus vorgestellt, etwa Anzeigen, die auf die konkrete Frage eingehen, und Lead-Agenten, mit denen Nutzer direkt in der Anzeige chatten. Getestet wird in den USA. Einen Termin für Deutschland gibt es nicht.

Gemini

In der Gemini-App gibt es keine Anzeigen. Google hat Berichte über eine Einführung 2026 im Dezember 2025 öffentlich zurückgewiesen. Einzelne Fachmedien berichten weiter von Plänen, bestätigt ist nichts.

Perplexity

Perplexity hat sein Werbeprogramm mit gesponserten Folgefragen im Februar 2026 eingestellt und das mit dem Vertrauen der Nutzer in unabhängige Antworten begründet. Hier und in Gemini werden Sie nur über GEO sichtbar.

Quellen: Google-Ads-Hilfe „About ads and AI Overviews“, abgerufen 06.10.2026; Fachberichte zu Google Marketing Live 2026; 9to5Google, 08.12.2025; Campaign und Gigazine, 02/2026

Chancen und Grenzen

Was dafür spricht

  • Menschen beschreiben in ChatGPT ihr Problem ausführlich. Die Anzeige trifft auf eine konkrete Frage.
  • Der Einstieg ist klein, ein Test kostet nicht viel.
  • Wer jetzt lernt, ist vorbereitet, wenn Zielgruppen und weitere Formate dazukommen.
  • Über Copilot erreichen Sie ein KI-Umfeld mit einem Konto, das Sie vielleicht schon haben.

Was dagegen spricht

  • Keine Keywords, keine Ausschlüsse, kein Suchanfragenbericht. Sie steuern weniger genau als bei Google.
  • Nutzer mit Bezahlabo sehen keine Anzeigen.
  • Recht, Gesundheit und Finanzen sind ausgeschlossen.
  • Es gibt kaum Vergleichswerte, die Klickpreise schwanken stark.

So testen Sie sinnvoll: fünf Schritte

  1. Eignung klären. Ist Ihre Branche zugelassen? Gibt es Fragen, die Ihre Kunden ChatGPT stellen und auf die Ihr Angebot passt?
  2. Messung zuerst. Anfragen, Anrufe oder Verkäufe müssen in Ihrer Webanalyse ankommen, mit UTM-Parametern und geklärter Einwilligung.
  3. Eine Leistung, eine Zielseite. Starten Sie mit Ihrem stärksten Angebot und einer Seite, die genau diese Frage beantwortet.
  4. Budgetgrenze und Laufzeit festlegen. Zum Beispiel vier bis sechs Wochen mit einem Betrag, den Sie als Lehrgeld verbuchen können. Legen Sie vorher fest, ab welchen Kosten je Anfrage Sie aufhören.
  5. Vergleichen, dann entscheiden. Maßstab sind die Kosten je Anfrage im Vergleich zu Google Ads und Ihren anderen Kanälen, nicht die Klickrate.

Fazit

Werbung in ChatGPT ist in Deutschland angekommen, aber noch am Anfang. Für zugelassene Branchen mit klarer Leistung und sauberer Messung lohnt sich ein begrenzter Test, um früh zu lernen. Kanzleien, Praxen und Finanzanbieter müssen warten. Copilot erreichen Sie schon heute über ein gutes Microsoft-Advertising-Konto, bei Google bleibt es vorerst bei Anzeigen rund um die KI-Übersichten. Und für alle gilt: Die Empfehlung in der Antwort selbst lässt sich nicht kaufen. Dafür braucht es GEO.

Häufige Fragen zu Werbung in ChatGPT.

Seit wann gibt es Werbung in ChatGPT in Deutschland?
Anzeigen laufen in ChatGPT seit dem 24. August 2026 in 31 europäischen Märkten, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit dem 31. August 2026 können Unternehmen sie selbst im Ads Manager von OpenAI buchen, ohne Agentur und ohne hohes Mindestbudget.
Sehen alle ChatGPT-Nutzer Anzeigen?
Nein. Anzeigen sehen nur erwachsene Nutzer der kostenlosen Version und des günstigen Go-Tarifs. Wer Plus, Pro, Business, Enterprise oder Edu nutzt, bekommt keine Werbung angezeigt.
Kann ich in ChatGPT Keywords buchen wie bei Google?
Nein. ChatGPT-Anzeigen werden über den Zusammenhang des Gesprächs ausgespielt. Sie beschreiben, in welchen Situationen Ihre Anzeige passt. Keywords, ausgeschlossene Begriffe und einen Bericht über Suchanfragen gibt es nicht.
Beeinflussen Anzeigen die Antworten von ChatGPT?
Nach Angaben von OpenAI nicht. Anzeigen stehen gekennzeichnet und getrennt unter der Antwort. Wer in der Antwort selbst genannt werden will, braucht GEO, also Inhalte und Erwähnungen, denen KI-Assistenten vertrauen.
Gibt es Anzeigen in Google Gemini oder Perplexity?
Nein. In der Gemini-App gibt es keine Anzeigen, Google hat entsprechende Berichte im Dezember 2025 zurückgewiesen. Perplexity hat sein Werbeprogramm im Februar 2026 eingestellt. Sichtbar werden Sie dort nur über GEO.

Quellen

  • Digiday: OpenAI’s ChatGPT ads business hits $1 billion run rate as Europe gets self-serve access, 31.08.2026
  • Digital M.: ChatGPT Ads: Was belegt ist, was aus dem Ausland kommt und was niemand weiß, 05.09.2026, aktualisiert 05.10.2026
  • haimle.com: ChatGPT Ads in Deutschland 2026, Befunde aus dem ersten Konto, 14.09.2026
  • conversion-traffic.de: ChatGPT-Werbung in Rechts-, Medizin- und Finanzgesprächen, 2026
  • Microsoft Advertising Blog: Win across all three eras of the web, April 2026
  • Grünberg Digital: Ads in Microsoft Copilot 2026, September 2026
  • Google-Ads-Hilfe: About ads and AI Overviews, abgerufen am 06.10.2026
  • 9to5Google: Google says there are no ads in the Gemini app, 08.12.2025
  • Campaign: Perplexity pulls the plug on ads, citing trust concerns, Februar 2026

Alle Quellen abgerufen am 6. Oktober 2026. Die Plattformen ändern ihre Regeln laufend. Wir aktualisieren diesen Ratgeber, sobald sich für Werbetreibende in Deutschland etwas Wesentliches ändert.

Artur Essig

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